Schulmedizin

Bei der Schulmedizin handelt es sich um ein an Universitäten unterrichtetes damit institutionalisierte Lehrgebiet, welches sich der Bestimmung und Behandlung von  Erkrankungen insbesondere des menschlichen Körpers widmet. Als Leitprinzip der Schulmedizin gelten  spätestens  seit dem 19. Jahrhundert – und bis heute – kausal argumentierende naturwissenschaftliche Methoden.

Folgende Definition einiger Mediziner darf als paradigmatisch  für das Fachgebiet gelten: „Unter dem Begriff „Schulmedizin“ werden alle diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen zusammengefasst, die dem Denkansatz von Ursache und Wirkung folgen. Ursache und Wirkung sind mit wissenschaftlichen Methoden objektiv nachweisbar.“ (1)

Aus gesamtgesellschaftlicher Perspektive bedeutet die naturwissenschaftliche Fundierung der Schulmedizin einen unverzichtbaren Vorteil, hinter deren Errungenschaften es nicht zurückzufallen gilt. Doch vermag die differenzierte Betrachtung vielleicht problematischer Aspekte fachinterner Leitsätze mitunter den Blick auf bislang ungenutzte Potentiale bei der Behandlung von Pathologien zu lenken. Vor diesem Hintergrund ist es lohnend, sich mit dem Verhältnis von Schulmedizin und Osteopathie zu beschäftigen.

(1) https://www. Internisten-im-netz.de, 03.08.2023)

Zur Geschichte der Schulmedizin:

Bereits in 10./11. Jahrhundert wurde in Salerno,  einer der ältesten Universität Europas, Medizin gelehrt (1).   Doch unterschieden sich  damalige medizinische Lehrinhalte  maßgeblich von heutigen:    Die direkte Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper und seinen Gebrechen galt  in der Scholastik als verpöhnt.   Wissen über den menschlichen Körper wurde an Hochschulen  ohne dessen Anschauung gelehrt.  Maßgebliches  Anschauungsobjekt im damaligen  Medizinstudium waren zumeist antike Texte. Eine Einstellung, die nicht alle   Zeitgenossen gleichermaßen begrüßten:  So merkte beispielsweise der Philosoph Petraca   im Jahr   1352/53  süffisant, die Medizin  mache „Cicero lachen, Demosthenes sich empören, Hippokrates weinen  und das Volk zugrunde gehen“ (2).

Bis in die Neuzeit   erschwerten kirchliche Dogmen der  Medizinern beispielsweise anhand von  Obduktionen neue Kenntnisse über Anatomische  und Physiologie zu erlangen. Erst  um 1700  wurde die Konsultation Erkrankter  in die universitäre medizinische Ausbildung eingeführt.  Eine Vorreiterrolle hierbei spielte der Arzt und Hochschullehrers  Hermann  Boerhaaves  (1688-1738) aus Leiden:  Er unterrichtet Studenten  erstmals am Bett von Patienten – ein zuvor kaum denkbarer methodischer Ansatz. (3)

Im  18. Jahrhundert erhielten Ärzte mehr Einfluss:  Im Zuge der kriegerischen Auseinandersetzung der Nationalstaaten erkannten Souveräne   eine gesunden und damit wehrfähige  Bevölkerung  als Wettbewerbsvorteil an.   Der Arzt avancierte infolgedessen als Advokat der Gesundheit des gesamten Volkes, ihm wurden vom Staat mehr Rechte und Freiheiten verliehen als je zuvor  in der Geschichte. (4)

Im 19. Jahrhundert erfolgte die   Professionalisierung der Schulmedizin. Generell wird unter diesem Begriff der Prozess verstanden, den eine Berufsgruppe bei der juristischen Fundierung ihrer  Tätigkeit durchläuft.  Vier Bereiche Bereiche der Professionalisierung lassen sich unterscheiden: „1 Streben nach Marktmonopol 2. die Kontrolle der Ausbildung und der Zugang zum Beruf 3  die Normierung des Verhaltens durch eine Berufsethik, 4. die Durchsetzung beruflicher Autonomie (z.B. durch verbandsmäßigen Zusammenschluss.)“ (5)

Im Zuge der Professionalisierung avancierte im  19. Jahrhundert das  Bekenntnis zur strikt  naturwissenschaftlichen  Methoden als  identität stiftendes Merkmal der Schulmedizin:  Ein Schritt, der  auch die Abgrenzung  von antroposophischen  oder sonstigen esoterischen Richtungen der Medizin ermöglichte.  Zu den sogenannten  alternativen Heilansätzen zählte  zumindest  im ausgehenden 19. Jahrhundert  auch die Osteopathie. Deren Begründer Andrew Taylor Still  interessierte sich zwar für neuste wissenschaftliche Erkenntnisse der Medizin, jedoch auch für letztlich esoterisches Gedankengut.

(1) Eckhart, W., Geschichte der Medizin, Heidelberg 2009,  Position 774

(2) Eckhardt, W.;  Jütte, R; Medizingeschichte. Eine Einführung,  Köln, 2014,  Position 8924

(3) Https://www.https://www.aerzteblatt.de/archiv/51173/Geschichte-der-Medizin-Der-Patient-als-Leidender-und-Kunde, 06.08.2023

(4) Eckhart, W., Geschichte der Medizin, Heidelberg 2009,  Position  1704

(5) Eckhardt, W.;  Jütte, R; Medizingeschichte. Eine Einführung,  Köin, 2014,  Position

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